Kunstmaler Paul Werner

P a u l W e r n e r

geb. 12.07.1904 Gersdorf/Sachsen

gest. 12.10.1985 Immenstadt/Allgäu

Freischaffender Maler, Grafiker und Konservator

Ausbildung: Mal- und Zeichenkurse in Brüssel,

Prof. Dr. Schenk Würzburg (Kunstgeschichte),

Mitarbeiter von Prof. Toni Roth, Intern

Akademie Salzburg,

Prof. Oskar Kokoschka, Prof. Slavi Soucek

Arbeitsgebiet:

Tafelbilder in allen Techniken, Landschaften, Städtebilder, Stilleben,

Blumenstücke,

figürliche Kompositionen

Ausgeführte

Arbeiten:

Restaurierungs- und Konservierungsarbeiten im Dom und Domkreuzgang zu Augsburg,

Bischöfl. Ordinariat Augsburg,

Leubachsaal und Leubachmuseum Schobenhausen,

Stadt und Heimatmuseum Immenstadt,

Pfarrei Wertach, Stiefelhofen u.a.

A r b e i t e n i m ö f f e n t l i c h e n B e s i t z :

HI. Vater Papst Paul VI.

Bischof Dr. Stümpfle Augsburg

Bayer. Ministerpräsident Dr. Goppel,

Österr. Bundespräsident Dr. Schärf,

Bundeshaus Bonn,

Regierung und Regierungspräsident

von Schwaben,

Landesversicherungsanstalt Schwaben

sowie Landesämter und Städte

des In- und Auslandes insbesondere

Tel-Aviv, Berlin, Basel, Brüssel,

Lillebone, Linz a/D. Ischia d Napoli,

North Carolina/USA, Salzburg,

Wien, Chemnitz, Leipzig u.a. 

P a u l W e r n e r

Vorwort von Karl Friedrich Roth

Um das Bild einer Künstlerpersönlichkeit zu zeichnen, bieten sich verschiedene Wege an: Die sich im Laufe ihres schöpferischen Lebens entwickelnde Bildsprache sowie ihre Ausstrahlung auf den Betrachter, also eine Kommunikation, in der sich dem Be-
schauer seelisches Empfinden, Reife der Darstellungskunst neben technischem Können und eigenwillige Verbundenheit mit dem Sujet offenbaren,stellt den unmittelbarsten Zugang dar. Das über diese genannten Bezüge von Kritikern gefällte fachmännische Urteil und nicht zuletzt der Erfolg, der sich im Erwerb seiner Arbeiten durch Persönlichkeiten und Institutionen dokumentiert, erscheinen als weiteres Mittel verdienter Würdigung. Auf beiden Wegen soll nachfolgend einiges Wesentliche über den Künstler skizziert werden, soweit
nicht die in dem vorliegenden Katalog aufgenommenen Werke von PW – wie der Künstler seine Arbeiten signiert – interpretierende Worte erübrigen. Das zutiefst Menschliche jedoch, aus dem künstlerischer Antrieb, malerische Leidenschaft und Verpflichtung zu persönlichen Aussagen wie aus verborgenen Quellen gespeist werden, entschlüsselt sich am deutlichsten in der Begegnung mit Paul Werner. Während
einer Zeitspanne von mehr als zwei Jahrzehnten konnte ich als Bürger der Wahlheimat des aus dem Erzgebirge stammenden PW in vielfältigen Verbindungen und
Beziehungen sein Wirken und die Entfaltung seiner Könnerschaft verfolgen und mit Schon bei der ersten Bekanntschaft mit Paul Werner, als uns gemeinsames bildnerisches Bemühen in der Oberallgäuer Volkshochschule zusammenführte, ließen mich
seine überaus farbkräftigen, von bestimmtem Pinselduktus und Schwung eines um Vergeistigung bemühten Künstlers, aus denen sich später die Höhepunkte seiner Arbeiten entwickelten, erkennen; hier war ein Maler am Werk, dem Malen Beruf und
Berufung zugleich bedeutete.
Wenn ich heute die Vielzahl der in unermüdlichem Anspruch an sich selbst entstandenen Werke betrachte, drängt sich der Eindruck auf, daß Paul Werner bei seiner eruptischen Produktivität, sich im Sinne künstlerischer Entfaltung immer mehr selbst verwirklicht. Der schöpferische Impetus, der die Spuren verschiedener Lehrmeister bzw. Inspiratoren von Lovis Corinth bis zu Oskar Kokoschka verrät, ist im Laufe der Jahre nicht von des Gedankens Blässe angekränkelt, aber durch gewachsene Sensibilität vergeistigter geworden.
Vor Jahren konnte ein Kritiker feststellen, daß „im Kräftespiel seiner Farben Rot als ein Sinnbild von Licht und Leben dominierte“
Arnold Mardersteig bei einer Ausstellung in der Otto-Richter-Halle Würzburg 1967 in folgender Weise: „Blumenstilleben Paul Werners sind gebündelte Aktivität feinster Farbnuancen, mit Geschmack und Subtilität komponiert, dem Leben und seinem Reich tum zugewandt.“ Der leuchtende Ausdruck von Farben, die vom dunklen Blau bis zum flammenden Rot, vom zarten Weiß und Rosa bis zum strahlenden Gelb und Gold auf seiner Leinwand reichen und lodern, hat seinen eigenen Sinn: Kunst bildet nicht
Sichtbares ab, sondern läßt uns die Wirklichkeit erst verwandelt und neu entstehen – und entdecken.
Im Jahre 1965 war ich mit vielen kunstinteressierten Franzosen bei der Eröffnung einer Kunstausstellung, die Paul Werner als Landschafts- und Stillebenmaler sowie Porträtist in der Immenstädter Partnerstadt Lillebonne gestaltet hat, von der Aussagekraft des „Vollblutmalers“ wie er einmal genannt wurde, besonders ergriffen. In der französischen Presse las man hernach: „Paul Werner bereichert unsere poetische
Vorstellung des Universums“ und Hier kommt ein großes Empfindungsvermögen zum Ausdruck. Manchmal sind seine Werke sogar mit einer Art metaphysischer Sorge erfüllt und mit einem esoterischen Sinn behaftet. Die Bilder „Zeitungsausträger“ und „Sonnenblumen“ decken in dieser Hinsicht die Art des Künstlers auf, der das Abgeschlossene und Vollendete verabscheut und der immer wieder von neuem versucht, die innere Welt, die Seele, zu erkunden.“
Immer sicherer ist Paul Werner seiner mit Bergen und Seen umgebenen Wahlheimat geworden. Dieselbe souveräne Sicherheit aber zeigen auch all die in den Jahren entstandenen Landschaften insbesondere großartigen europäischen Städtebilder wie z. B. Montreux am Genfer See oder Blick auf St. Gallen, was sich heute in Tel-Aviv befindet; sie alle zeugen in ihrer reichen Farbigkeit und atmosphärischen Stimmung eindeutig von einer bezaubernden Frische. Es bleibt aber auch zu erwähnen, daß ihn als ein im Christentum denkender Maler, der u. a. 1971 aus der Hand des HI. Vaters Papst Paul VI. die Papstmedaille erhielt, die Menschen dieser Landschaft mehr und mehr als künstlerische Objekte angezogen haben. Dabei ereignet sich das Bemerkenswerte, daß ihn nicht vornehmlich die jugendlichen und unproblematischen Ge-
sichter lockten, sondern vielmehr jene, die das Leben und Schicksal gezeichnet hat.
Für ihn selbst gilt wohl das Wort „Kunst kann Schicksal überwinden“.
Neben den unter südlichem Himmel entstandenen Landschaften, wohin den Maler weite Reisen geführt haben, dürfen die grafisch-zeichnerischen Arbeiten, die in die Tiefe dringen und in denen der breite vitale Strich auf ursprüngliche malerische Begabung hinweist, nicht ungenannt bleiben.
Solches diszipliniertes Schaffen, das auf gewollte Modernität bewußt verzichtet und bei der immer spürbaren Eigenwilligkeit die selbständige malerische Persönlichkeit nicht verleugnet, mußte Beachtung und Anerkennung finden. Eine Reihe von Bildern
ging in den öffentlichen Besitz über.
Zu seinem 60. Geburtstag bemerkte ein Rezensent, daß „ihn jetzt die Unbekümmertheit einer reifen Seele beschwingt“ und fügte dazu, „die Jahre sind ihm kaum anzumerken“. Diese Feststellung gilt kaum abgeschwächt auch für den Siebziger. Vielleicht hat zu dieser bewahrten, nicht nur äußerlichen Jugendlichkeit mit beigetragen,
daß PW nicht nur in der freien Natur mit Pinsel und Palette Motive einfing, sondern auch als Konservator und Restaurator im wahrsten Sinne des Wortes beweglich geblieben ist.
Als Kustos des Oberallgäuer Heimatmuseums in Immenstadt, das ihm besonders am Herzen liegt und als tatkräftiger Mitarbeiter im Berufsverband Bildender Künstler Schwaben-Süd, wo die Bildung eines Sozialfonds für die Unterstützung unschuldig in Not geratener Künstler sowie die Herausgabe des Künstler-verzeichnisses mit sein Werk war, hat Paul Werner seine humanitäre Einstellung auch durch die praktische Tat bewiesen.
Der 70jährige Künstler hat dem Allgäuer Menschen und der Allgäuer Landschaft viele Komplimente gemacht. Nicht zuletzt deshalb kann ihn seine Wahlheimat an der Schwelle in ein neues Jahrzehnt einen der ihrigen nennen.
Die besten Wünsche begleiten ihn dazu in der Erwartung, daß er noch viele Menschen mit seinen schöpferischen Arbeiten bereichern möge, die über die Zeiten und Mode-
erscheinungen hinaus Gültigkeit behalten dürften.
I m m e n s t a d t , i m M a i 1 9 7 4 K a r l F r . R o t h

P a u l W e r n e r
geb. 12. 7. 1904 in Gersdorf/Sa.,

gestorben:


Maler, Grafiker, Konservator (freischaffend).
Kursusleiter für Malen und Zeichnen an der Oberallgäuer Volkshochschule seit 1956.
Konservator des Heimatmuseums Immenstadt. Seit 1962 Vorstandsmitglied und
Schriftführer des Berufsverbandes Bildender Künstler Schwaben-Süd, Kempten, Mitglied der Münchner Künstler-Genossenschaft Kgl. priv. 1868 München.

Wiederholt Auslandsreisen nach Osterreich, Schweiz, Italien, Frankreich, Israel.
Ausbildung: Mal- und Zeichenkurse in Brüssel, Prof. Dr. Schenk, Würzburg (Kunst-
geschichte), Mitarbeiter von Prof. Toni Roth t, Intern. Akademie Salzburg, Prof. Oskar Kokoschka, Prof. Slavi Soucek.
Arbeitsgebiet: Tafelbilder in allen Techniken, Landschaften, Städtebilder, Stilleben, Blumenstücke, figürliche Komposition.
Ausgeführte Arbeiten: Restaurierungs- und Konservierungsarbeiten im Dom und
Dom-Kreuzgang zu Augsburg, Bischöfl. Ordinariat Augsburg,Lenbachsaal und Lenbach-Museum Schrobenhausen, Stadt- und Heimatmuseum Immenstadt, Pfarrei Wertach, Stiefenhofen.
Arbeiten im öffentlichen Besitz: HI. Vater Papst Paul Vl., Bischof Dr. Stimpfle, Augsburg, Bayer. Ministerpräsident Dr. Goppel, Osterr. Bundespräsident Dr. Schärft,
Bundeshaus Bonn, Bayer. Staat u. Bayer. Staatskanzlei, Regierung u. Regierungspräsident von Schwaben, Landesversicherungsanstalt Schwaben sowie Landratsämter
und Städte des In- und Auslandes insbes. Lillebonne, Salzburg, Tel-Aviv, Wien.
Ausstellungen: BBK Schwaben-Süd, Kempten, Landesverband München, Goldener Saal und Schätzler Palais zu Augsburg, Haus der Kunst München, Heimatmuseum Immenstadt, Galerie Modersohn Gailenberg-Hindelang, Rathaus Hindelang, Kunst-
kabinett Kempten, Maison de la Jeunesse et de la Culture Lillebonne, Otto-Richter-Halle Würzburg, Künstlergilde Ulm/D., Bundeshaus-Restaurant Bonn, Städt. Galerie
Rosenheim, Kreissparkasse Ravensburg, Galerie Hofmann, Bamberg sowie Isny,
Oberstdorf und Sonthofen.
Auszeichnung: Medaille Papst Paul VI.


Lit. Hinweise: Max Doerner Malmaterial 13. Aufl. S. 445/464, Neue Zürcher Zeitung
v. 1. 7. 1968, Jahrbuch des Vereins Augsburger Bistumsgeschichte 1968 (Domkreuz-
gang) sowie Jahrbuch 1970 S. 205 u. 1971 S. 217. Schönes Allgäu Jahrg. 1968 Heft 1,
Allgäuer Heimatkalender Jahrg. 1966 u. 1967. Weltkunst Jahrg. 1967 Nr. 14. Heimat-
buch der Stadt Immenstadt 1960 sowie Künstlerverzeichnis des BBK Schwaben-Süd,
Kempten.
St. Gallen
Blick über die Stadt, 1970
Am kleinen Alpsee, 1970
Chioggia, 1964
Blick auf Immenstadt, 1973
lonte Bré, 1964
Lillebonne, 1962
Dorf in Dolomiten, 1965
Farbklischees:
Freundliche Überlassung der Fa. Verlag F. Bruckmann KG, München
Klischeeanfertigung: Graphische Werkstätten Kösel, Kempten
Druck: A. Schulz, Druck und Grafik, Isny im Allgäu